3 Ideen für den Informatikunterricht

In zahlreichen Fortbildungen und etlichen Jahren Informatikunterricht an mehreren Schulen, habe ich immer wieder gesehen, dass der Informatikunterricht leider zu großen Teilen dazu genutzt wird, fachfremde Inhalte zu vermitteln. So gibt es immer wieder Themen wie „Word“ oder „Powerpoint“, die auf das Fach Informatik abgewälzt werden, obwohl sie in diesem gar nichts zu suchen haben. Eine echte Tragödie, die zahlreiche Ursachen hat, die an einer anderen Stelle zu einer anderen Zeit kommentiert werden wird, nicht jedoch hier und jetzt.

In diesem Post will ich ein paar kleine Ideen und Projekte vorschlagen, die für den Informatikunterricht ab Klasse 8 genutzt werden können. Es handelt sich hierbei um mehrere Dinge, die ich in meinem Unterricht bereits ausprobiert habe.

#1: Scratch

Scratch eignet sich sehr gut für den Unterricht an Schulen und kann bereits von jüngeren Kindern genutzt werden, um einfache Spiele zu erstellen, wobei auch enorme Komplexität erreicht werden kann. Beispielprojekte für echte Spiele sind u.a. eine Umsetzung des Klassikers „Pong“ oder das Erstellen einer eigenen Version von Pacman.

Die wesentlichen Vorteile von Scratch ist die gute Visualisierung der einzelnen Bausteine und die Möglichkeit, sowohl online, als auch offline zu arbeiten. Auch nicht zu verachten ist, dass man in bei Scratch sehr leicht die Wirksamkeit der eigenen Arbeit überprüfen kann. Veränderungen können schnell vorgenommen werden und führen schon früh zu Ergebnissen, die in anderen Programmiersprachen deutlich mehr Arbeit erfordert hätten.

Scratch würde ich ab Klassenstufe 8 empfehlen.

#2: Cubeecraft

Um etwas kreativer zu werden und auch den künstlerischen Aspekt des Informatikunterrichts nicht zu vernachlässigen, habe ich mich an dritter Stelle für das Erstellen von Papierfiguren entschieden. Diese gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Varianten, ich persönlich habe mit Cubeecraft sehr gute Erfahrungen gemacht. Hier gibt es nicht nur sehr viele bereits vorgefertigte Figuren, die ausgedruckt und gebastelt werden können, sondern sie sind auch sehr schnell und mit einfachen Mitteln selbst zu gestalten.

Kreative Schüler können hier viel machen und von der vollständigen bis hin zu rein visuellen Gestaltung einer Figur alles machen, was das Herz begehrt. Räumliches Denken wird trainiert, ebenso die Wahrnehmung von Farben und Formen. Ein wenig handwerkliches Geschick benötigt man dann am Ende noch für das Erstellen des Modells. Cubeecraft stellt also eine wirklich umfassende Herausforderung dar!

Da Cubeecraft und ähnliche Papierfiguren sehr kleinteilig sind, würde ich dies erst ab Klassenstufe 8 oder 9 machen.

#3: HTML

An dieser Stelle könnte man ein großes Faß aufmachen und sich darüber auslassen, dass HTML keine Programmiersprache ist und es doch eigentlich aus einer linguistischen Perspektive deutlich schönere Sprachen gibt, jedoch halte ich dies im Zusammenhang mit der Schule für untergeordnet, denn HTML hat einen massiven Einfluss auf das tägliche Leben und Erleben von Umwelt. Dies liegt vor allem daran, dass HTML quasi die Vorderseite des Internets darstellt. Egal in welcher Sprache ich die Inhalte verbreite, stelle ich sie am Ende des Tages quasi immer in HTML dar. Auch nutzen viele Apps sogenannte Webviews, was sie praktisch zu einer Internetseite macht.

HTML ist keine besonders komplexe Sprache. Es handelt sich dabei um eine Sprache, die ausschließlich zur Auszeichnung von Texten genutzt werden kann, auch wenn die jüngsten Erweiterungen von HTML immer mehr Möglichkeiten eröffnen. Es stellt die absolut benötigte Basis für jeden dar, der etwas mit dem Internet machen will.

Leider gibt es immer mehr WYSIWYG- (What You See Is What You Get) Editoren für HTML, die auf Fortbildungen für Lehrer zum Teil sogar empfohlen werden. Eine Entwicklung, die ich extrem schade finde, denn zum einen ist HTML nicht zu komplex, um es in der Schule im Unterricht zu behandeln, zum anderen findet so eine Entfremdung von der eigenen Lebenswelt statt. Eine der Kernfähigkeiten von Schülern in den nächsten Jahrzehnten wird es sein, die eigene Umwelt, wenn auch nur in Grundzügen, zu verstehen. Dies wird durch den Einsatz von WYSIWYG-Editoren behindert, wenn nicht gar verhindert, weil eine magische Kraft die Arbeit übernimmt. Informatik jedoch entzaubert gehört.

Aus meiner Perspektive ist HTML ab Klasse 8 ein mögliches Unterrichtsthema. Die Erstellung einer kleinen Internetseite ist hier schon möglich. In höheren Jahrgangsstufen kann die Komplexität beliebig erhöht werden durch CSS oder Javascript, weshalb das Thema HTML auch jährlich komplexer werdend unterrichtet werden kann.

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