Warum ist Digitalisierung an der Schule so schwer?

Digitalisierung von Schule stellt nicht erst seit dem Aussetzen des Präsensunterrichts im Rahmen von Corona ein großes Thema dar, es hat sich bereits in den letzten Jahren immer weiter zugespitzt und ist, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen, präsent, seit ich denken kann.

Diskussionsbedarf gab es über all die Jahre immer wieder, denn zwischen dem gewünschtem Zustand und dem Ist-Zustand befinden sich gefühlte Universen. Zwar gibt es immer wieder kleine Fortschritte, jedoch lässt sich feststellen, dass es sich bei den Fortschritten immer wieder nur um Placebos handelt. Warum ich dies so hart beurteile, will ich am Beispiel der Smartboards ausführen.

Mit der Einführung des Smartboards wurden große finanzielle Anstrengungen unternommen, um Anschaffung und Schulung in der Benutzung dieser neuen Präsentationsgeräte, die als Ersatz für die Kreidetafel verwendet werden, zu vollziehen. Dies hat auch relativ gut funktioniert. Schon bald konnten die meisten Lehrerinnen und Lehrer mit den Geräten die Kreidetafel ersetzen und die Mittel, die ihnen durch die im Bundle ebenfalls verfügbare Software angeboten werden, nutzen. Leider gibt es an genau dieser Stelle ein erhebliches Problem, das quasi die Mutter aller Probleme im Bezug auf die Digitalisierung darstellt. Die Digitalisierung hat einen neuen Hammer geschaffen, der überall nach Nägeln Ausschau hält. Ein schwieriger Sachverhalt, denn Digitalisierung bzw. der generelle Umgang mit dem Computer erfordern gewissermaßen eine Problemlösungskompetenz und keine reine Anwendungskompetenz.

Deutlich wird das entstandene Dilemma, wenn man aufgrund auslaufender Verträge, Änderungen von Lizenzmodellen oder durch irgendwelche anderen Faktoren dazu gezwungen wird, die gewohnten Pfade zu verlassen. Hier zeigt sich dann die wahre Natur der bisherigen Praxis der Digitalisierung von Schule, denn die kleinste Abweichung sorgt für völlige Orientierungs- und Hilflosigkeit. Gewohnte Muster funktionieren nicht mehr, der Prozess scheitert und wird in Frage gestellt.

Wie kann man nun aus diesem Kreis ausbrechen?

Eine Möglichkeit, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen bestünde darin, dass man gar nicht erst versucht, Menschen auf eine bestimmte Software hin zu schulen, sondern vielmehr das Augenmerk weg von einer Digitalisierung, hin zu einem problemorientierten Arbeiten bewegt.

Hierdurch würde nicht nur die unnötige Glorifizierung moderner oder älterer Technik umgangen werden, sondern die gesamte Qualität der Arbeit an Schulen ließe sich verbessern, wenn die Maßgabe darin bestehen würde ein Problem mit den bestmöglichen Mitteln zu lösen. Diese können je nach Thema nämlich sowohl analog, als auch digital sein.

Damit will ich in keinem Fall dazu aufrufen, keine Computer mehr zu verwenden. Ich würde mir jedoch wünschen, dass die Wahl der Werkzeuge freier gestaltet wird. Immer die gleichen Hilfsmittel zu nutzen führt in keinem Fall zu einem mündigen Handeln, da die nötige Übersicht fehlt. Bin ich jedoch frei in meiner Wahl, kann ich die Mittel leicht anpassen und entsprechend der Problemstellung wählen. Dies stellt zwar wesentlich höhere Anforderungen an Schüler und Lehrer, verspricht aus meiner Perspektive jedoch deutlich größere Gewinne.

Wie kann man Problemlösungskompetenz ausbilden?

Genau an diesem Punkt wird es kompliziert. Problemlösungskompetenz kann sich nämlich nur dann bilden, wenn man dauerhaft mit zu lösenden Problemen konfrontiert ist und diese als eine Art sportliche Herausforderung betrachtet. Aus diesem Grund würde ich denken, dass ein projektbasiertes Fortbildungssystem nach dem Vorbild von Reperaturcafés sich am besten eignet, um Fortschritte zu erzielen. Hierbei würden in einem ersten Schritte generelle Fähigkeiten zur Recherche und zur Selbsthilfe vermittelt und anschließend im offenen Austausch real auftauchende Probleme mit leichter Hilfestellung bearbeitet werden.

Wird dieser Weg jedoch beschritten, ist dies ein großer Gewinn. Offenheit für unterschiedliche Herangehensweisen schafft Platz für Kreativität und sprengt langfristig immer die scheinbar festgesetzten Grenzen.

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Ausprobieren, Scheitern und erneutem Ausprobieren!

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