Eigenverantwortliches Arbeiten in Projekten

Eine der Kernkompetenzen, die Schüler in unseren Schulen lernen müssen, ist das eigenverantwortliche Arbeiten. Damit ist gemeint, dass jeder Schüler bei Schulabgang dazu in der Lage sein sollte, mit einer Deadline entsprechend zu arbeiten und Ergebnisse zu präsentieren, auch wenn nicht jeder einzelne Schritt in seinem Lernprozess zuvor angeleitet und überwacht wurde. Diese Fähigkeit lässt sich mit etwas Geduld und Ausdauer trainieren, denn nicht für jeden Schüler ist es einfach, sich selbst Ziele zu stecken und diese zu verfolgen.

Um das eigenverantwortliche Arbeiten zu stärken, hat sich in meiner Erfahrung vor allem der Informatikunterricht bisher angeboten, denn hier ist es vergleichsweise einfach, einen flippend classroom zu erstellen, ohne dabei ein zu großes Risiko des Misserfolges eingehen zu müssen.

So können zum Beispiel die folgenden Projekte sehr gut in eigenverantwortlicher Arbeit angegangen werden:

  • Erstellen einer Internetseite
  • Erstellung eines Logos
  • Betreiben eines eigenen Weblogs

Diese drei Projekte haben gemeinsam, dass sie sich in großen Teilen stark individualisieren lassen. Für die Form des eigenverantwortlichen Arbeitens ist dies sehr wichtig, denn es muss eine große Toleranz geben, was die Ausgestaltung der Arbeitsergebnisse anbelangt. Auch sollte bereits zu einem relativ frühen Zeitpunkt klar kommuniziert werden, welche Erwartungen an die Schüler gerichtet werden und zu welchen Zeitpunkten ihr Projekt einen definierten Status erreichen soll.

Begleiten kann man die freie Arbeit der Schüler, indem man ihnen eigene Lernvideos zur Verfügung stellt (ich habe ein eigenes LMS mit Inhalten, Videos, Tests, etc.), es hängt jedoch stark vom Thema ab, ob und inwiefern Schüler eine Begleitung brauchen. Insbesondere in den ersten Schritten halte ich es für sehr sinnvoll, wenn der eigene Erkundungsdrang gefördert wird und die Begleitung anhand vorgefertigter Materialien eher geringer ausfällt. Auch hier macht es jedoch Sinn, wichtige Aspekte stets im Plenum und zum Teil im Vorfeld der eigentlichen Arbeit am Projekt zu besprechen. (Beispiel: Vor der Arbeit an einem eigenen Weblog halte ich einen Exkurs zum Thema Urheberrecht für unabdingbar.)

Grenzen des eigenverantwortlichen Arbeitens sehe ich vor allem dort, wo sich Schüler nicht mit einfachen Mitteln selbst helfen können. Natürlich gehört die Erfahrung, nicht genau genug hingeschaut zu haben, zum Lernprozess dazu, es kann jedoch zu sehr großem Frust kommen, wenn sich beispielsweise das Erlernen einer Programmiersprache als schwieriger darstellt, als dies im Vorfeld vermutet wurde. Bei solchen Themen würde ich deshalb stets eine recht stringente Begleitung der Arbeit vorziehen. HTML stellt in gewisser Weise eine Ausnahme dar, hier habe ich gute Erfahrungen mit einer Mischform aus starker Begleitung mit Lehrmaterial im LMS und Freiarbeit gemacht. (Ich weiß, dass HTML keine Programmiersprache ist.)

Auch stellt die Wahl des Faches ein großes Hindernis dar. So habe ich zum Beispiel im Deutschunterricht eine viel zu geringe Fehlertoleranz und muss zu klar definierte Ziele erreichen, um freie Arbeit in großem Stil betreiben zu können. Hier gibt es lediglich einige „Inselthemen“, bei denen sich entsprechende Arbeitsformen anbieten.

Wie sind eure Erfahrungen mit eigenverantwortlichem Arbeiten in der Schule? Über euer Feedback würde ich mich sehr freuen!

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